Meira Kiefer | Jurena Muñoz | Per Schorn


Im März 2026 reisten die drei Gewinner*innen des ersten a(r)tambo Kunstpreises für zehn Tage nach Los Cabos San Lucas in Mexiko. Nun kehren die Ergebnisse dieses Aufenthalts nach Frankfurt zurück: Ab dem 13. August zeigt die Galerie Greulich die Arbeiten von Jurena Muñoz, Per Schorn und Meira Kiefer, die während und nach der Residency entstanden sind. Ergänzt wird die Ausstellung durch den Film Sintonía von Hugo Álvarez Zanollo, der den gemeinsamen Aufenthalt der Künstler*innen in Mexiko begleitet hat. Die Ausstellung ist zugleich Teil des Open Sunday der GalerienFrankfurtMitte: Am Sonntag, den 23. August, ist die Galerie von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Sämtliche gezeigten Werke stehen zum Verkauf. Ein Preis, der den Prozess in den Mittelpunkt stellt Der a(r)tambo Kunstpreis, den die Galerie Greulich mitinitiiert hat, versteht sich nicht als klassischer Wettbewerb, sondern als Ermöglichungsformat. Aus 85 Bewerbungen aus dem gesamten Bundesgebiet wählte die Jury im Januar 2026 drei Positionen aus – nicht nach dem fertigen Werk, sondern entlang der Frage, welche künstlerischen Arbeitsweisen besonders von einem zeitlich begrenzten Ortswechsel profitieren und offen genug sind, sich auf einen neuen sozialen und kulturellen Kontext einzulassen. Der Jury gehörten Karen Wittel und Dr. Elena Stiehr von Atambo Kunstreisen, der Künstler und Kurator François Paris von der Galería Minch aus Cabo San Lucas sowie Andreas Greulich, Inhaber der Galerie Greulich, an. Neben dem Reisestipendium war der Preis mit 3.000 Euro dotiert. Die Residency selbst fand u.a. im Künstlerhotel El Ganzo statt und entstand in Kooperation mit der Tourismusagentur Atambo Kunstreisen und der Galería Minch, deren künstlerische Leitung bei François Paris liegt. Der Ortswechsel war dabei kein Selbstzweck: Er schuf Abstand, Irritation und neue Bezüge – Bedingungen, unter denen künstlerische Arbeit oft erst ihre eigentliche Schärfe entwickelt. Was daraus entstanden ist, wird nun erstmals in Frankfurt sichtbar.
Die ausgestellten Positionen Jurena Muñoz (geb. 1990 in Hannover, lebt in Berlin) arbeitet multidisziplinär und mit einer expressiven, eigenständigen Farbigkeit. Ausgehend vom kulturellen Erbe von Abya Yala und ihren peruanisch-chilenischen Wurzeln porträtiert sie indigene Frauen als mächtige Figuren des Wissens und der Widerstandsfähigkeit und verbindet zeitgenössische Kunst mit gemeinschaftlichen Traditionen. Der Aufenthalt in Mexiko knüpft unmittelbar an ihre Auseinandersetzung mit Identität, Migration und dem Gedächtnis von Vorfahren an.
Per Schorn (geb. 1978, lebt in Frankfurt) ist Fotokünstler. In Los Cabos setzte er seine Serie working class heroes fort, die das alltägliche Leben abseits der touristischen Highlights in den Blick nimmt. Seine klare Bildsprache und szenografische Belichtung schaffen nachhallende Bildräume, die zum Nachdenken einladen.
Meira Elisa Kiefer (geb. 2004, lebt in Saarbrücken) studiert an der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Konzept und sinnlicher Erfahrung, wobei das Zwischenmenschliche formal wie inhaltlich eine zentrale Rolle spielt – eben jene Dimension, die im Zentrum der Ausschreibung stand. Als eine der jüngsten Positionen des Wettbewerbs sah die Jury bei ihr besonderes Förderpotenzial.
Warum solche Formate für die Galerie zählen?
Für die Galerie Greulich sind Kunstpreise und Residencies dieser Art kein Prestigeprojekt, sondern ein pragmatisches Mittel, um künstlerische Arbeit und Forschung überhaupt zu ermöglichen. Die Galerie versteht sich nicht als elitärer, sondern als dritter, sozialer Ort – nah an den Künstler*innen, interessiert an Prozessen und nicht allein an Ergebnissen. Der a(r)tambo Kunstpreis führt diesen Ansatz weiter und verschiebt den Fokus konsequent auf den Arbeitsprozess selbst. Die Abschlussausstellung macht diesen Prozess nun greifbar: Sie zeigt nicht nur Werke, sondern auch die Beziehung zwischen Ort, Zusammenarbeit und künstlerischer Arbeit, die Sintonía filmisch verdichtet. Die erste Ausgabe des Preises hat gezeigt, wie groß der Bedarf an Formaten ist, die künstlerische Arbeit als Prozess ernst nehmen. Diesen Weg möchte die Galerie weitergehen.
Ausstellungsdaten im Überblick Eröffnung:
Donnerstag, 13. August 2026, 17:30 Uhr
Laufzeit: 13. – 23. August 2026
Open Sunday (GalerienFrankfurtMitte): Sonntag, 23. August 2026, 14 – 18 Uhr