
Jan Muche – Ein Schritt vor, zwei Schritt zurück.
11. September 2026 bis zum 4. April 2027
Seit 1999 steht Ilya Kabakovs „Roter Waggon“ (1991) im Museum Wiesbaden – eines der bedeutendsten Werke zeitgenössischer Kunst im Haus: ein hölzerner Aufgang, deutlich als Konstruktion erkennbar, führt symbolisch in den Himmel, dahinter der rote Waggon selbst, ohne Räder. Muss man dazu noch viel sagen? Kurator Dr. Peter Forster und der Maler Jan Muche fanden: durchaus – sie sahen darin die Chance für einen neuen Dialog, zu sehen ab dem 10. September.
Die Idee ist einfach: Zwei Positionen kontextualisieren sich neu und öffnen so einen neuen Blick. Ob das zu Jan Muche passt? „Wie die Faust aufs Auge“, sagt der Künstler selbst – aus zwei Gründen, formal wie inhaltlich.
Jan Muche kreist in seiner Arbeit um die konstruktivistischen Bauten der frühen Sowjetunion, recherchiert in einem eigenen, erfrischend altmodischen Fundus an Büchern und Bildern. Formal reizt ihn das Aufstrebende, Gerüsthafte eines Tatlin, sichtbar dort, wo er den Eingang von Kabakovs Waggon bearbeitet. Inhaltlich verbindet er mit dieser Zeit eine Unverbrauchtheit im Glauben an die sozialistische Utopie – das positive Moment der Idee, gepaart mit dem Wissen um ihr Scheitern. Das fasziniert den Berliner Maler: Er zählt sich selbst zum linken Spektrum und fragt sich, warum linke Ideen scheitern – kein linker Künstler also, sondern ein Künstler, der links ist.
Mit diesem Gepäck ist er durchs Museum gestreift, und der Weg zu Kabakov war plötzlich sehr kurz. Im Kabakov-Saal ergänzt er die Installation um eigene Einbauten: dunkel gebeizte Holz-Rollwagen, ähnlich Staffeleien auf Rollen, tragen seine Gemälde, rückseitig kleine Objekte und Plastiken – Werk oder Präsentationshilfe, bewusst offen. Die Stellagen wirken wie eine Brücke zu Muches fast ungegenständlichen Bildern; für die Wände entstehen eigene, großformatige Arbeiten.
Für Jan Muche wie für das Museum ist das weniger Intervention als Fortsetzung: eine Fortsetzung des Ringens um die Utopie.


Aufbau Museum Wiesbaden
